achdem wir mit dem Taxi im Caracol angekommen sind, beruesst uns am Eingang ein Zapatist, der sein Gesicht mit einer Pasamontaña (schwarze Wollmuetze mit Sehschlitz, die ueber das ganze Gesicht gezogen wird) verhuellt hat. Wir geben unsere Ausweise ab und duerfen eintreten. Vor uns liegt eine steil abfallende Strasse und lauter bunt bemalte Haeuser. In eines dieser Haeuser aufder rechten Seite muessen wir bevor wir zur Junta koennen. Wir berichten fuenf Zapatistas, die vor uns sitzen, unser Anliegen. Drei von ihnen tragen rote Halstuecher vor dem Gesicht, zwei Pasamontañas. Mir ist ein bisschen mulmig zu mute.
Nun duerfen wir zur Junta de Bien Gobierno. Wir sitzen zwei Zapatistas gegenueber und berichten ueber unser Anliegen zwei Wochen als Menschenrechtsbeobachter in einer Communidad zu leben. Die zwei Vermummten hoeren sich alles an und schicken uns nach draussen. Sie muessen die Sache erst mit dem Rest der Junta besprechen. Nach anderdhalb Stunden Wartezeit ist es endlich soweit. Wir duerfen wieder eintreten und bekommen von der Junta schriftlich die Erlaubnis fuer den Einsatz.
Nun verlassen wir das bunte Caracol und machen uns auf den Weg. Von dem Caracol aus gibt es leider keine regelmaessige Transportmoeglichkeit zu unserem Einsatzort. Nach vier verschiedenen Autos und einer halben Stunde zu Fuss kommen wir endlich ein – wenig erschoepft – an.
Wieder empfangen uns zwei Zapatistas mit Pasamontañas. Sie oeffnen uns die Tuer und einer von ihnen zeigt uns unser Quartier fuer die nachsten zwei Wochen. Wir werden in dem ehemaligen Haus des roten Kreuzes uebernachten.
Es ist schon fuenf Uhr und wir haben den ganzen Tag nichts gegessen. Zum Glueck haben wir vorher einige Sachen eingekauft.
Die Gemeinschaftskueche ist jedoch etwas ungewohnt fuer uns. Es gibt keinen Gasherd – alle Kochen ueber dem offenen Feuer. Also versuchen wir au einer der zwei Feuerstellen im Raum ein Feuer zu entfachen, das gross genug ist damit wir unseren Reis darauf kochen koennen. Das dauert ein bisschen und der Qualm, den wir dabei produzieren, schmerzt in den Augen. Doch daran muessen wir uns wohl gewoehnen muessen.
Nachdem wir unseren Hunger gestillt haben machen wir eine kleine Runde durch die Communidad. Es gibt ein oeffentliches Klo zu dem wir den Schluessel haben. Eine Moeglichkeit sich zu waschen haben wir bisher noch nicht entdeckt.
Die Communidad ist relativ gross. Der Grossteil der Haeuser ist aus Holzbrettern mit Wellblechdaechern. Wir drei stechen sehr aus dem Rest der Menschen heraus. Ueberall wo wir hinkommen schauen uns die Menschen mit grossen Augen an – und viele freuen sich wenn wir sie Gruessen.
1997 gab es in Acteal ist ein brutales Massacker. 45 Menschen wurden von Paramilitaers und Polizisten ermordet – Frauen, Meanner, Kinder wurden regelrecht hingerichtet. Nach diesem Vorfall gab es viele Familien die der Gewalt der die Zapatistas und sympatisierende Familien in Acteal und in den umliegenden Communidades ausgesetzt waren, nicht mehr standhalten konnten. Viele von ihnen sind in die umliegenden Doerfer, wo sie heute noch leben. Da hier so viele Menschen auf engem Raum leben gibt es Probleme mit Boden auf dem etwas essbares angebaut werden kann. Etwa die haelfte der Communidad in der wir leben sind Desplacados.
Vor einem halben Jahr, im September 2008 gab es eine erneute Provokation von paramilitaerischen Gruppen. Sie patroullierten schwer bewaffnet auf der Strasse . Doch es kam gleucklicherweise nicht zu einem erneuten Angriff auf die Bevoelkerung.
Seitdem entsendet das Menschenrechtszentrum „FrayBa“ regelmaessig Menschenrechtsbeobachter_innen in die Region. Das gibt den Menschen ein wenig Sicherheit. Doch noch immer haben sie Angst die Communidad zu verlassen da immer noch bewaffnete Paramilitaers in den Waeldern patroullieren.
Wir haben einen kleinen Fluss entdeckt in dem wir uns baden koennen. Umringt von mindestens 10 Kids haben wir uns ein wenig im kalten Flusswasser erfrischt. Das Klima ist deutlich waermer als in San Cristobal. Man kann den ganzen Tag in T-shirt und kurzer Hose herumlaufen.
Heute bricht das Wochenende an und die „Promotor@s de Education“ (in der spanischen Sprache wird das „@“ verwendet, um nicht nur in der maennlichen Form zu schreiben) mit denen wir uns die Kueche teilen haben sich auf den Weg nach Hause in ihre Communidades gemacht.
Hier gibt es eine autonome Schule fuer die Kinder aus der Communidad in der die Lehrkraefte, die „Promotor@s de Education“, arbeiten. Naechste Woche koennen wir in allen Klassenstufen reinschnuppern und ein wenig mithelfen.
Zum Glueck, denn langsam wird das menschenrechtebeobachten ein bisschen langweilig. Wir stehen morgens nach Sonnenaufgang auf und machen dann irgendwann Feuer. Dann gibts was zu essen, meistens Reis und Bohnen vom Vortag und Tostadas (duenne, ueber dem Feuer getrocknete Maisfladen). Bis zum Mittagessen lesen oder nichts tun. Zum Mittagessen kochen wir meist neuen Reis, oft mit Bohnen. Am Nachmittag ein wenig rumlaufen und beispielsweise eine Mango kaufen. (Hier gibts die besten Mangos der Welt). Zum Abendessen genug Bohnen kochen damit es auch noch fuer den naechstenTag reicht. Eigentlich sind wir immer relativ frueh in Bett gegangen wie der Rest der Communidad auch.
Heute habe ich mit einer Señora beim Wasserholen gesprochen. Sie und ihre beiden Toechter sind Desplacados seit 1997. Der Rest ihrer Familie ist in ihre Heimatcommunidad zurueckgekehrt. Aber sie nicht. Sie will weiterhin hierbleiben, Widerstan leisten und die Zapatistas unterstuetzen. Am Ende des Gespraechs hat sie sich herzlich bei uns bedankt das wir hier als Menschenrechtsbeobachter taetig sind. Ich wusste gar nicht so recht was ich darauf antworten soll, aber ich glaube allein dafuer hat sich der Aufwand gelohnt.
Die letzten drei Tage haben wir uns die Schule und die Klassen angeschaut. Montag: Primaria. Wirklich suesse Kids! Heute haben wir gelernt wie man Ta-Ta-Ta schriebt und wie man einen Stern malen kann. Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Kids. Manche koennen ohne Probleme die Aufgaben der Lerkraefte erfuellen, andere haben grosse Probleme. Und weil es so wenig Lehrkraefte gibt muessen die meisten mindestens zwei Klassen beaufsichtigen. Was es natuerlich nicht einfacher macht sich um „schwaechere“
Schueler_innen zu kuemmern.
Dienstag: Clases de tercera. Es galt die Frage zu beantworten: „¿Donde usamos las plantas?“ – „Wo verwenden wir Pflanzen?“
Alle sind losgezogen und al die Anworten praesentiert wurden hatten alle die gleiche Antwort… Das erinnert mich ein bisschen an meine Schulzeit 
Danach sind wir durch die Communidad gezogen und haben alle moegliechen Pflanzen gesammelt und uns darueber informiert welche eine heilende Wirkung besitzen. Wirklich sehr spannend!
Der Unterricht ist sehr praktisch, hat aber fuer meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Input. Aber die Pomotor@s gehen sehr liebevoll mit den Kids um.
Mittwoch: Heute haben wir die Quinta und die Sexta besucht. Hier sprechen die Schueler_innen schon ein bisschen Spanisch. Ein grosser Teil des Unterrichts ist auf Spanisch. Aber auch hier gibt es meiner Meinung nach zu wenig Anforderung und zu wenig selbserarbeitete Ergebnisse.
In der Sexta gibt es keine einzige weibliche Jugendliche. Ich denke bis zu diesem Alter (16-18 Jahre) werden alle verheiratet und haben keine Zeit mehr fuer Schule. Wirklich traurig!
Heute die Secundaria besucht. Hat Spass gemacht, auch wenn die Komunikation mit den Kids fast unmoeglich ist. Heute abend habe ich eine Stunde Geometrieunterricht fuer die Promotor@s gegeben. Da nut wenige Spanisch fluessig sprechen gab es auch hier Kommunikationsprobleme. (Ausserdem hab ich Geometrie ja auch nicht auf spanisch gelernt) Leider mussten wir unterbrechen da kein Strom und damit auch kein Licht mehr da war. Danach haben wir ein Karten gespielt. Da die Promotores noch nie ein Pokerblatt gesehen haben, haben wir das einfachste Siel gespielt was uns eingefallen ist. Das dafuer den ganzen Abend. Hat viel Spass gemacht!
Heute leider krank. Ich und mein Compañon liegen mit Durchfall und Kopfschmerzen im Bett. Ich fuehl mich sauelend. Am Abend kommt auch noch ein bisschen Fieber dazu. Langsam geht uns der Tee aus – und heir gibt es keinen zu kaufen…
Heute haben wir den Consejo besucht. Eine Person konnte zum Glueck spanisch. Also konnten wir den Consejo ein wenig ueber die Strucktur des Consejo ausfragen.
Jedes grosse Projekt hat mindesen drei Vertreter (das ist nur in der maennlichen Form geschrieben, da es wirklich nur Meanner waren, die wir gesehen haben). Die Schule hat drei Vertreter, der Medizinische Notdienst hat drei Vertreter usw. Insgesammt bilden ungfaehr 20 Menschen den Consejo. Der Consejo wird alle drei Jahre gewaehlt, kann aber von einer Vollversammlung jederzeit neu gewaehlt werden. Wie uns der Consejo sagte, gibt es ein Verteilungssystem der Tortillas. Famillien die genug Tortillas tostadas zur Verfuegung haben geben sie in der Gemeinschaftskueche ab, die Menschen die Tortillas brauchen koennen sie in der Kueche abholen. Wie z.B. die Promotores de Education. Sie verdienen kein Geld mit der Arbeit an der Schule, bekommen aber Essen und Unterkunft. Genauso der Koordinator der Kueche. Alle Arbeiten fuer die Communidad sind unbezahlt und freiwillig. Viele Arbeiten jedoch auf diese Weise um die Strucktur der Gemeinschaft zu staerken.
Danach sind wir zum Fluss um uns nocheinmal zu baden. Der Weg dahin war wahnsinnig heiss. Umso schoener war das kalte Wasser.
Die letzten zwei Tage hat es nur geregnet. Die meiste Zeit verbringen wir am Feuer mit Kaffe oder heisser Schokolade. Und morgen muessen wir auch schon wieder nach San Cristobal aufbrechen. Ich denke ich werde nocheinmal zurueckkehren und meine Geometriestunden mit den Promotores de Education vertiefen – und ein wenig mehr Tsotsil lernen!